ASV-Kapitän Jakob Schwabe: „Die Persönlichkeit reift mit der Verantwortung“

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Der ASV Hamm-Westfalen hat sich zum Saisonstart mit zwei Siegen in Folge im oberen Tabellendrittel der 2. Handball-Bundesliga zurückgemeldet. Kapitän Jakob Schwabe schätzt im Interview die Leistung seines Teams ein und erklärt die Bedeutung der Rückkehr von Kay Rothenpieler auf die Trainerbank.

An die Vorsaison denkt in Hamm kaum noch jemand gern zurück. Fast bis zum letzten Spieltag kämpfte der ambitionierte Zweitligist gegen den Abstieg, Trainer Niels Pfannenschmidt musste nach einer enttäuschenden Hinserie den Hut nehmen. Unter dessen Nachfolger Stephan Just gelang mit Rang 11 noch ein halbwegs versöhnlicher Saisonabschluss. Seit dem Sommer gibt das Hammer Urgestein Kay Rothenpieler wieder die Kommandos an der Seitenlinie – und der Saisonstart unter dem 46-Jährigen hätte nicht besser ausfallen können. Auf einen Auswärtssieg in Konstanz folgte ein Heim-Erfolg gegen Aue. ASV-Kapitän Jakob Schwabe nennt im Interview die Gründe für die Trendwende und erklärte die Rolle, die Rothenpieler dabei spielt.

Herr Schwabe, wie schätzen Sie den Saisonstart bislang ein?

Jakob Schwabe: Ich glaube wir können nicht meckern. Wir sind ganz gut raus gekommen, hatten ein kämpferisches Spiel in Konstanz, das wir gewinnen konnten. Das hat uns Sicherheit gegeben, nachdem wir letztes Jahr unter unserer eklatanten Auswärtsschwäche doch sehr gelitten haben. Wenn man dann gleich das erste Auswärtsspiel der neuen Saison gewinnt, gibt das Ruhe. Dazu ist mit den Neuverpflichtungen noch ein wenig Erfahrung dazu gekommen. Aber auch im letzten Jahr war nicht alles schlecht. Wir konnten viel mitnehmen, was uns jetzt stärkt.

Wie nah ist das Team schon an seiner Topform?

Schwabe: Spielerisch läuft sicherlich noch nicht alles rund. Aber natürlich werden wir von Spiel zu Spiel und Jahr zu Jahr eingespielter. Wir hatten jetzt keinen großen Umbruch. Intern verstehen wir uns, wie auch schon im Vorjahr, super. Vielleicht sind wir schon einen kleinen Schritt weiter als damals, aber wir haben auch noch viel Arbeit vor uns.

Der VfL Lübeck-Schwartau und der ASV Hamm-Westfalen bleiben auch nach dem zweiten Spieltag der 2. Handball-Bundesliga ungeschlagen und setzen sich so an der Tabellenspitze fest. Während Hamm souverän gegen den EHV Aue gewinnt, zittert sich der VfL gegen einen starken TUSEM Essen zum Sieg.

Was hat sich mit der Rückkehr von Kay Rothenpieler auf die Trainerbank verändert?

Schwabe: Viele Spieler haben ihn ja ohnehin schon gekannt. Von Grund auf verändert hat sich mit Kays Rückkehr nichts, es sind eher Kleinigkeiten. Der größte Unterschied ist wahrscheinlich seine Ansprache. Kay ist ein Mann der klaren Worte, auch im Training. Er stellte klare Anforderungen und ist sehr kommunikativ, was vor allem den jungen Spielern im Team hilft. Der Mix aus Schleifer und guter Freund passt bei ihm ganz gut.

Welche Rolle spielt das Comeback für den ganzen Verein?

Schwabe: Kay kennt einfach viele Leute in Hamm, er hat die Mannschaft mit aufgebaut. Man merkt in seinem ganzen Auftreten, dass extrem viel seines Herzbluts in diesem Verein steckt. Es tut dem kompletten Umfeld gut, wenn er wieder mitarbeitet.

Nicht nur Kay Rothenpieler, sondern auch Sie selbst sind allmählich eine Institution in Hamm, gehen in Ihre vierte Saison als Kapitän. Wie haben Sie sich in den Jahren weiterentwickelt?

Schwabe: Die Persönlichkeit reift mit der Verantwortung definitiv mit. Auch mein halbes Jahr in Flensburg, wo ich sehr viel gelernt habe, hat dazu beigetragen. In meiner ersten Saison als Kapitän war ich vielleicht noch etwas nervös, inzwischen ist es für mich aber ganz normal, voranzugehen, mich mit dem Trainer zu besprechen oder auch einmal kleinere Konflikte in der Mannschaft zu lösen.

Deswegen hat der neue Trainer auch gleich wieder auf Sie als Kapitän vertraut?

Schwabe: Man sollte das Kapitänsamt auch nicht überbewerten. Aber ich glaube, mein Standing in der Mannschaft ist ganz gut, die Jungs hören mir schon zu, wenn ich einmal etwas sage. Mein Verhältnis zu Kay war und ist sowieso gut. Da war die Entscheidung für ihn wahrscheinlich nahe liegend. Man muss ja auch nicht immer gleich alles ändern.

Nach dem guten Saisonstart: Bleibt das obere Tabellendrittel jetzt die dauerhafte Heimat des ASV?

Schwabe: Ich glaube, das ist in dieser Liga ganz schwer zu sagen, weil sie in der Breite so stark ist. Die drei Absteiger sind natürlich enorm stark. Aber auch drei, vier andere Mannschaften können oben anklopfen. Sogar die Aufsteiger sind in diesem Jahr ungewöhnlich gut und können, wenn sie erst einmal richtig in der Liga angekommen sind, sehr gefährlich werden. Man hat letztes Jahr ja schon gesehen, wie schnell es nach oben oder nach unten gehen kann und, dass die Leistung an Platzierungen nur schwer zu messen ist. Deswegen haben wir uns darauf festgelegt, dass wir jedes Spiel für sich spielen und immer an unsere Leistungsgrenze kommen wollen. Der Fokus liegt also eher auf uns als auf Platzierungen oder Punkten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Datum: 07.09.2017 | Autor: PM DKB HBL / Foto: PM DKB HBL

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