TSV Nordheim

Heilbronn-Franken

Gründungsjahr: 1955
Vereinsfarben: Gelb-Blau
Spielt in folgenden Hallen: Sporthalle

Am 25.11.1955 war es so weit. Die Heilbronner Stimme berichtete von der Gründung einer Handballabteilung im TSV Nordheim. Damals nicht mehr als eine kleine Randnotiz. Umso erstaunlicher, was in diesen nunmehr 55 Jahren aus dem damals zarten Pflänzchen geworden ist. Genau genommen, müsste diese Geschichte schon einige Jahre früher beginnen. Die Saat „Handball“ wurde in Nordheim nämlich bereits im Jahre 1946 gelegt. Wenige Monate nach Kriegsende erfolgte die Neugründung des TSV Nordheim 1910 e.V. und kurz darauf wurde auch eine Mannschaft im Damenhandball ins Leben gerufen. Allerdings wurde damals keine eigene Abteilung gegründet und die Damenhandballmannschaft nach kurzer Zeit wieder aufgelöst. 

 

Beginnen wir deshalb im Jahre 1955 mit unserem Sportkameraden Fritz Pfannenschwarz der zusammen mit weiteren Handballinteressierten Hauptinitiator für die Gründung unserer Handballabteilung war. Auf der Straße oder beim Schneeballwerfen beim Dreschschuppen wurden weitere Handballbegeisterte angesprochen. Schnell wurde man sich einig, den Handballsport nun auch in Nordheim etablieren zu wollen. Noch im Herbst 1955 wurde der Plan in die Tat umgesetzt und die Handballabteilung im TSV Nordheim gegründet. Erster Abteilungsleiter wurde Oberlehrer Otto Schiz, der sich umgehend an den Aufbau einer Jugendmannschaft kümmerte. Erste Erfolge stellten sich bald ein. Bereits Ende der 1950er konnte sich eine männliche C-Jugend für das Finale der Kreismeisterschaft qualifizieren. Trotz allen Engagements stagnierte in der Folge die Jugendarbeit der Nordheimer Handballer und entwickelte sich schließlich gar rückwärts, so dass schließlich zu Beginn der 1960er Jahre keine Jugendmannschaft mehr existierte

 

 

 

Eine Nordheimer Herrenmannschaft nahm erstmals 1956 an der Großfeldrunde des Handballkreises Neckar-Kocher teil. In der untersten Spielklasse (Kreisklasse 2) war man nach eigenem Bekunden ein gern gesehener Gast auf gegnerischen Plätzen. Zum Ende dieser Premierensaison belegte man zwar in der Tat den letzten Tabellenplatz, konnte aber bereits in dieser ersten Spielrunde immerhin 6 Punkte erringen, was durchaus als kleiner Erfolg gewertet werden kann. In den folgenden Jahren sollten alle Anstrengungen, die unterste Spielklasse zu verlassen noch scheitern. Es fehlte der Nachwuchs und zeitweise konnte der Spielbetrieb der Herrenmannschaft nur noch durch Leihspieler aus der Fußballabteilung aufrecht erhalten werden. Zwischenzeitlich war das Amt des Abteilungsleiters auf Gotthold Veyhl und 1965 an Dieter Schmid übergegangen, deren Niederschriften zu entnehmen ist, dass auch in dieser „Wirtschaftswunder-Zeit“ ähnliche Hürden zu meistern waren, wie es heutzutage der Fall ist. Immer wieder appellierten die Abteilungsleiter, sich doch über das Handballspiel hinaus in der Abteilung einzubringen. Vor allem wurde regelmäßig ein stärkeres Engagement für die Jugend angemahnt. Zeittypisch allerdings sind die zu verteilenden Aufgaben wie z.B. Sportplatz streuen und Zaun flicken, denn Handball spielte man damals noch ausschließlich im Freien auf dem Großfeld.

 

 

 

Schließlich konnten 1965 mit Günter Baruth und Harald Böreth zwei neue Spieler gewonnen werden, die viele Jahre lang Stützen der Nordheimer Herrenmannschaft sein sollten. Erstmals gelang, wenn auch zunächst nur für ein Jahr, der Aufstieg aus der untersten Spielklasse. Aus heutiger Sicht allerdings war das langjährige Engagement der beiden Herren als Jugendtrainer, Jugendleiter und als Spielertrainer für die Handballabteilung noch viel wichtiger. Nach ersten Erfolgen in der Jugendarbeit mussten jedoch bald erneut Rückschläge hingenommen werden, die unter anderem auch mit dem Wandel der Sportart Handball in Zusammenhang zu bringen sind. Der Ursprung des Handballsports, das Großfeldspiel auf Rasen, verlor zunehmend an Bedeutung. Das Kleinfeldspiel und vor allem der Hallenhandball dagegen gewannen rasant immer mehr an Bedeutung.

 

Da zu dieser Zeit in Nordheim keine handballtaugliche Sporthalle verfügbar war und auch ein Kleinspielfeld fehlte, nahm unweigerlich das Interesse am Handballsport rasch ab. Zu Beginn der 1970er Jahre stand die Handballabteilung wieder einmal ohne Jugendmannschaften da. Zudem hängten nun einige der altgedienten Spieler ihre Handballschuhe an den Nagel. Der Fortbestand der Handballabteilung hing, wie den damaligen Sitzungsprotokollen zu entnehmen ist, am seidenen Faden und an der Unterstützung durch die Fußballabteilung, die immer wieder mit Spielern aushelfen musste.

 

 

 

 

 

Glücksfälle in den 70ern 

 

Die 1970er Jahre sollten ein wichtiges, wenn nicht das entscheidende, Jahrzehnt für die Entwicklung der Handballabteilung werden. Dem neuen Abteilungsleiter, Werner Strauss, gelang es im Jahr 1972 die Handballer des Nordheimer CVJM zu einem Zusammenschluss mit den TSV-Handballern zu bewegen. Die CVJM-Organisation führte zu dieser Zeit noch eigene Spielrunden im Handball durch. Mit den jungen Talenten, die nun dem TSV Nordheim angehörten, war der erste Schritt in die Zukunft der Handballabteilung getan. Ein Jahr darauf errichtete die Gemeinde Nordheim im neuen Sportgebiet zwei Kunststoff-Kleinspielfelder, von denen eines später mit einer Überdachung versehen wurde. Mit diesen deutlich besseren Bedingungen konnten die TSV-Handballer wieder optimistisch in die Zukunft blicken und prompt gelang der lang ersehnte Aufstieg in die Kreisliga 2 (Hallenrunde).

 

 

 

Langfristig betrachtet war der Zusammenschluss der CVJM und TSV-Handballer wohl das einschneidende Ereignis in der Geschichte der Handballabteilung. Die neue Führungsmannschaft mit Ditmar Kühner als Abteilungsleiter (seit 1975) und Willy Widenmeyer als Jugendleiter hatte umgehend mit dem der Jugendarbeit begonnen. Dies nun erstmals auch mit weiblichen Jugendmannschaften. Ein weiterer Glücksfall für die Nordheimer Handballer war, dass Mitte der 1970er Jahre eine ganze Reihe Siebenbürger Sachsen den Weg nach Nordheim und zu den TSV-Handballern fanden. Nicht nur die Herrenmannschaft sollte von der neuen Spielstärke profitieren, vor allem in die Jugendarbeit kam zusätzlicher Schwung.

 

Unerwarteten Rückenwind erhielten die Nordheimer Handballer durch ein Ereignis mit dem niemand so richtig gerechnet hatte. Deutschland wurde im Jahre 1978 Handballweltmeister. Der Handballsport war nun in aller Munde und auch in Nordheim wollten sich nun mehr Jugendliche in dieser Sportart üben. Die Weichen waren nun gestellt. Der weitere Zulauf der Nordheimer Jugend und die nun auf mehr Schultern verteilte Last, die investierte Zeit und Arbeit trugen nun langsam Früchte.

 

Zum Ende der 1970er Jahre zeigt sich die TSV-Handballabteilung besser aufgestellt denn je. Mit einigen Jugendmannschaften –männlich wie weiblich- nimmt man am Spielbetrieb teil. Die Männermannschaft kann nun auf ein deutlich größeres Spielpotenzial zurückgreifen und seit 1978 gibt es im TSV Nordheim endlich auch eine Damenmannschaft, die gleich im ersten Jahr sowohl in der Halle als auch auf dem Kleinfeld mit Meisterschaft und Aufstieg glänzen konnte.

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